Geschichte Paraguays

Paraguay blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück, die sich grob in vier verschiedene Phasen von der Frühzeit und der Kolonialzeit über die Neuzeit bis hin zur Jüngsten Geschichte unterteilen lässt. Einen Überblick über die verschiedenen Phasen der paraguayanischen Geschichte können Sie sich im Folgenden verschaffen.

 

Frühzeit

 

Vor der europäischen Besiedlung war Paraguay bzw. das Gebiet des heutigen Paraguays von verschiedenen Indianerstämmen besiedelt. Als die ersten Europäer Anfang des 16. Jahrhunderts Expeditionen in Paraguay unternahmen, lebten ca. 280.000 Menschen dort. Im Osten hatten sich hauptsächlich die Indianerstämme der Arawak, Guaicurú, Mataco-Mataguayo, Chamacoco, Angaite und Lengua, und im Westen die Stämme der Tupí-Guaraní-Sprachfamilie niedergelassen. Noch heute leben die sogenannten Aché-Indianer im Osten Paraguays.

 

Kolonialzeit

 

Die Kolonialzeit begann mit der spanischen Eroberung Paraguays. Nachdem Juan de Solis als erster 1516 das Gebiet des heutigen Paraguays erkundet haben soll, folgte die Gründung der Station Sancti Spiritu durch Sebastiano Caboto im Jahr 1527. Mit der Gründung eines Forts auf dem Gebiet der heutigen Hauptstadt Asunción wurde die Eroberung des Gebiets eingeleitet, die dann mit verschiedenen Kriegszügen 1537, 1542 und 1543 ausgebaut wurde. Ebenfalls 1542 erfolgte die Angliederung der Region an das Vizekönigreich Peru, ab 1559 wurde die Stadt Charcas zum politischen Verwaltungszentrum der Provinz erklärt.

 

Ende des 16. Jahrhunderts begann die Zeit der sogenannten Jesuitischen Reduktion bzw. der Christianisierung der Guaraní-Indianer, die in landwirtschaftlichen Großsiedlungen kolonisiert wurden. Obwohl die Siedlungen eine gesonderte Verwaltung hatten, waren sie der spanischen Verwaltung unterstellt. Auf Unruhen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts folgten die Guaraníkriege zwischen 1753 und 1756 – als Reaktion auf den Vertrag von Madrid, laut dem ein Teil der jesuitischen Reduktionen an Brasilien übergehen sollte. Zur Auflösung der jesuitischen Reduktion und der Vertreibung der Jesuiten kam es im Jahr 1767.

 

Knapp zehn Jahre später wurde Paraguay, wie Argentinien und Bolivien, dem spanischen Vizekönigreich des Río de la Plata angegliedert.

 

Neuzeit

 

In Buenos Aires, dem Zentrum des neu gegründeten Königreichs des Río de la Plata formierte sich um 1810 ein Widerstand, der gegen die spanischen Kolonialherren gerichtet war und letztlich in einer Revolution mündete. Schließlich erklärte Paraguay im Jahr 1811 seine Unabhängigkeit von Spanien und Argentinien. Zwei Jahre später erfolgte die Ausrufung der Republik und die Anerkennung von Spanien.

 

José Gaspar Rodríguez de Francia wurde Führer der neuen Regierung, 1816 wurde er zum Diktator auf Lebenszeit benannt. Unter ihm erreichte Paraguay großen Wohlstand, der sich weiter vermehrte, als ein Neffe von José Gaspar Rodríguez de Francia, Carlos Antionio López, 1844 an die Macht kam.

 

Dessen Sohn stürzte Paraguay 1864 in einen Krieg gegen Brasilien, Argentinien und Uruguay, nachdem er nach dem Tod seines Vaters an die Macht gekommen war. Als Folge stand Paraguay bis 1876 unter brasilianischer Besatzung und verlor weit über die Hälfte seines Territoriums.

 

Nach verschiedenen diktatorischen Staatsführungen beruhigte sich die Lage in Paraguay erst unter dem Staats- und Regierungschef Eduardo Schaerer (1912-1916). Erneute Unruhen brachte der Chaco-Krieg im Jahre 1935 zwischen Paraguay und Bolivien, der ausbrach, weil in dem Gebiet rund um Gran Chacos große Erdölvorkommen vermutet wurden. Paraguay ging siegreich aus dem Krieg hervor.

 

Durch eine Verfassungsänderung wurde die Macht des Präsidenten weiter ausgebaut, sodass ihm nun auch die Befehlsgewalt über die Streitkräfte unterlag. Dank eines Putschs gelang im Jahre 1945 General Alfredo Stroessner an die Macht, der das Land bis 1989 regierte und die konservative Colorado-Partei zur Einheitspartei erklärte.

 

Jüngste Geschichte

 

1989 wurde durch einen Putsch die Demokratisierung Paraguays eingeleitet, 1992 erfolgte die Proklamierung einer demokratischen Verfassung. Nach den ersten demokratischen Wahlen in Paraguay siegte die Colorado-Partei, Juan Carlos Wasmosy wurde neuer Staats- und Regierungschef.

 

In den folgenden Jahren blieb die politische Lage in Paraguay instabil. Der 2008 in das Amt des Präsidenten eingesetzte Fernando Lugo wurde 2012 vom Senat seines Amtes enthoben. Seine Aufgaben übernahm der einstige Vizepräsident Federico Franco, bis Horacio Cartes letztlich 2013 zum Staatspräsidenten gewählt wurde. 2018 erklärte er seinen Rücktritt als Staatspräsident, woraufhin seine Vizepräsidentin Alicia Beatriz Pucheta de Correa das Amt übernahm. 2018 wiederrief Horacio Cartes seinen Rücktritt.